Die CDU wurde im Jahre 1945 gegründet, doch ihre ersten Ursprünge sind schon gut hundert Jahre zuvor zu suchen. So befand sich bereits im Paulskirchenparlament eine katholische, und damit eindeutig ihr christliches Weltbild bekundende Gruppierung, die in der Mitte saß, zwischen den Konservativen rechts und den Demokraten links. Von dieser Sitzordnung rührt auch noch die heutige Bezeichnung von Parteien nach “links” und “rechts” her. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reiches unter Führung des protestantischen Preußens sah man sich in politisch-katholischen Kreisen genötigt, eine geschlossene Gruppe zu bilden.
So wurde aus der katholischen Fraktion im preußischen Parlament heraus im Jahre 1870 die Partei “Zentrum” gegründet, benannt nach der Sitzposition in der Paulskirche. Sie sollte lange Zeit als das Sprachrohr der katholischen Kirche in der deutschen Politik gelten.
Niederlage Bismarcks
Unterdessen sah Reichskanzler Bismarck in der neuen Partei eine Gefahr für das Reich, nicht nur weil das Kaiserhaus evangelisch war. Er befürchtete auch, das Zentrum könne Verbindungen zu den katholischen Ländern Frankreich und Österreich haben. Frankreich war sehr, Österreich zum Großteil verhasst. Dadurch veranlasst wurden in den 1870er Jahren viele Gesetze verabschiedet, die der katholischen Kirche, ihren Geistlichen und Laien viele Repressionen zufügten, obwohl das Zentrum schon bei den ersten Reichstagswahlen die zweitstärkste Partei geworden war. So wurden Priestern Strafen angedroht, wenn sie von der Kanzel über staatliche Angelegenheiten redeten, die Zivilehe wurde als alleingültige Ehe konstituiert und mit Ausnahme der reinen Krankenpflegeorden wurden 1875 alle kirchlichen Orden verboten.
Jedoch erreichte Bismarck mit diesen Schritten sein erhofftes Ziel, die Schwächung der katholischen Bewegung, nicht. Das Gegenteil trat ein: Die Katholiken schlossen sich immer fester zusammen und das Zentrum gewann an Macht. Zum Teil kam dem Zentrum auch Zulauf von der sonst die Sozialdemokraten unterstützenden Arbeiterschaft zu, wozu auch die vielen seit Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten karitativen Einrichtungen und Laienvereine der katholischen Kirche ihren Teil beitrugen. Als 1878 Papst Pius IX. starb, nutze Bismarck die Gelegenheit, den Kulturkampf zu beenden, was durch die Kompromissbereitschaft des neuen Papstes, Leos XIII., erheblich erleichtert wurde.
Herausbildung von überkonfessionellen Gruppen
Da man nun nicht mehr in diesem Maße unterdrückt wurde, verwischte sich auch nach der Entlassung Bismarcks durch Wilhelm II. im Jahre 1890 allmählich die strenge konfessionelle Ausrichtung der Zentrumspartei. Diese Entwicklung wurde, wie die Entstehung der Sozialdemokratie, auch durch die Industrialisierung begünstigt, weil nun erstmals nach Jahrhunderten das “cuius regio, eius religio” seine praktische Bedeutung zu verlieren begann: Die Menschen kamen aus den unterschiedlichsten Gebieten in die großen Industriestädte und sie alle brachten ihre eigene Konfession mit. Die Zivilehe ermöglichte daher jetzt auch immer öfter Ehen, in denen die Ehegatten unterschiedlicher Konfession waren. Das war zwar noch viele Jahrzehnte später eher die Ausnahme, doch die Wurzel liegt unbestreitbar im Kaiserreich. Aber auch aufgrund der außenpolitischen Entwicklung verlor die starke Konfessionalität des Zentrums ein wenig an Bedeutung. Es etablierte sich im Tagesgeschäft der Politik, so dass manchmal mehr, manchmal weniger der christlichen Überzeugung zum Tragen kam.
Im Sommer 1933 wurde die Partei zwangsaufgelöst. Der Widerstand im Nationalsozialismus überwand endgültig alle konfessionellen Grenzen und so bildeten sich einige lose gesamtchristliche Gruppierungen.
Neuanfang nach dem Krieg
Man lernte so die Zusammenarbeit zu schätzen, so dass nach dem Krieg aus dem christlich-bürgerlichen Lager der Ruf nach einer überkonfessionell-christlichen Partei laut wurde. Neben ehemaligen Zentrumspolitikern fanden sich in dieser neuen Partei, der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU), auch christliche Gewerkschaftler und Protestanten, die während der Weimarer Republik in der DDP, DVP oder DNVP tätig gewesen waren.
Während die CDU im Osten, nachdem sie sich den antifaschistischen Parteien angeschlossen hatte, immer mehr an Bedeutung verlor, stieg sie im Westen schnell zur Volkspartei auf, deren ersten Bundesvorsitz 1950 Konrad Adenauer übernahm, der selbst seit 1906 Zentrums-Mitglied und von 1917 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten Oberbürgermeister des sehr katholisch geprägten Köln gewesen war.
Der Einfluss der Gewerkschaftler in der CDU, die sich zunehmend zur SPD hinwendeten, ging noch vor 1950 stark zurück, was zu einer Stärkung des bürgerlich-konservativen und industriellen Flügels führte, was unter der Führung des späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard zur Profilierung der christlich motivierten sozialen Marktwirtschaft führte, auf die sich die CDU auch gerade heute neu zurückbesinnt, jetzt vor allem unter Jürgen Rüttgers.
Christliches Bekenntnis heute
Unlängst wurde Kanzlerin Merkel gerade aus der eigenen Partei scharf für ihre Forderung gegenüber einer Klarstellung Papst Benedikts bezüglich des Holocaustleugners Williamson kritisiert. Sie dürfe sich nicht in innerkirchliche Angelegenheiten einmischen, hieß es da.
Dies zeigt, dass auch heute noch, über 150 Jahre nach den ersten Anfängen christlicher Parteienbildung in der Frankfurter Nationalversammlung, das Verhältnis in der größten christlichen Volkspartei Deutschlands zum christlichen Glauben mehr ist als bloß ein rein formelles. Daher wäre es sicherlich nicht gerechtfertigt, das “C” aus “CDU” zu streichen, wie es einmal Kardinal Meisner in einem anderen Zusammenhang forderte. Denn das Bekenntnis zum Christentum ist noch häufig vorhanden und hat auch Auswirkungen auf die Tagespolitik - selbst da, wo man es vielleicht nicht immer meint und merkt.
Donnerstag, 16. April 2009
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