Sonntag, 15. Februar 2009

Der Papst und die Piusbrüder - Eine Bilanz

Der große Sturm um die Entscheidung des Papstes bezüglich der Rücknahme der Exkommunikation von Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Piux X hat sich gelegt und nun kann man in Ruhe darüber nachdenken. Wie immer und überall, muss man auch hier differenziert denken. Klar ist, dass man nicht so berichten darf, wie es die Medien gemacht haben, nämlich nur negativ. Klar ist aber auch, dass, wenn es um das Verhältnis zwischen Christen und Juden geht, kein Schritt zur freundlichen Annäherung aneinander versäumt werden darf. Zudem muss darauf hingewiesen werden, dass nur die Äußerungen des Bischofs Williamson dieser innerkirchlichen Angelegenheit eine solche bis in die Politik reichende Brisanz gegeben haben.
Doch zunächst zu den Piusbrüdern. Was ist von ihnen zu halten? Sie halten sich für erzkatholisch, stehen aber im Bruch mit der katholischen Kirche, weil sie bestimmte Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils bezüglich der Religionsfreiheit und der Liturgie nicht anerkennen wollen. Wenn sie sich wirklich katholisch zeigen wollen, müssen sie die Lehre der Kirche in allen Punkten annehmen. Wenn dies formal geregelt ist, wird sich sicher niemand über bestimmte Sonderrechte für die Piusbrüder in Sachen Liturgie aufregen. Gerade Papst Benedikt ist ja selbst ein großer Freund der alten liturgischen Tradition, weshalb ein weiteres Entgegenkommen auf diesem Gebiete wahrscheinlich ist. Jedoch unter der Bedingung der völligen Akzeptanz des Vaticanums II.
Nun zu Bischof Williamson. Äußerungen wie die seinen dürfen nicht geduldet werden, besonders nicht, weil sie von einem Bischof stammen. Als Bischof ist er in erster Linie Seelsorger und darf sich damit nicht so verhalten. Das Christentum ist aus dem Judentum hervorgegangen und ist ihm innerlichst verbunden. Man kann als überzeugter Christ um eine Bekehrung der Juden beten, mehr jedoch nicht. Wenn man jedoch seinen Hass gegenüber Juden zeigt, indem man den Holocaust leugnet, dann ist das zutiefst unchristlich.
Zuletzt zum Papst. Ich sehe ihn als Opfer von nicht länger hinnehmbaren Missständen in der Kurie. Lange Zeit schien es so, als könnten aus dem Vatikan keine Informationen nach draußen kommen. Jetzt jedoch bekommt man den Eindruck, selbst innerhalb des Vatikans sei Informationsfluss nicht möglich. Ich bin mir sicher, der Papst wird personelle Konsequenzen aus diesem Skandal ziehen, weil er nicht richtig informiert wurde. Er ist sehr viel beschäftigt, und es war ihm unmöglich, von dem Interview von Bischof Williamson zu wissen. Hoffentlich werden die Schuldigen schnell entdeckt und die Kommunikationsprobleme im Vatikan behoben. Doch das ist eine schwierige Aufgabe für den Papst: Er selbst ist - was auch gut so ist - eigentlich mehr an theologischen Fragen als an Kirchenpolitik interessiert und der ehrenwerte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ist nur selten im Vatikan, sondern immer auf Reise. Jedoch herrschen in der Kurie - das muss man leider sagen - unter Kardinal Bertone teilweise mittelalterlich anmutende Zustände mit Intrigen und dem Ringen nach Macht. Aber vielfach zeigen sich die im Vatikan arbeitenden Priester und Bischöfe auch einfach als unfähig für ihre Aufgaben und sollten durch bessere ersetzt werden. Ich muss Pater Eberhard von Gemmingen von Radio Vatikan Recht geben, wenn er sagt, dass einige Bischofsernennungen unter Johannes Paul II. mehr als unglücklich waren.
Ungeachtet dessen hat es Papst Benedikt dennoch wieder mal geschafft, die Wogen zu glätten und sich als der gezeigt, der er ist: der große, wirklich christliche, Entgegenkommer. Unter ihm kam und kommt es zu vielen Annäherungen der katholischen Kirche an die Orthodoxe Kirche, die Evangelische Kirche, Freikirchen, die Traditionalisten in der katholischen Kirche, Juden, Moslems und alle anderen Weltreligionen. Das ist sein großes Verdienst und das wirklich christliche. Man sollte immer auf Verbindung und nie auf Trennung bedacht sein.