Dienstag, 27. Januar 2009

Zur Person: Wilhelm II.


Folgende Sätze stammen aus einem Kurzreferat von mir und spiegeln anlässlich des 150. Geburtstages des letzten deutschen Kaisers am heutigen Tage sein Leben stichpunktartig wieder. Ich hoffe, die Ausführungen zu gegebener Stunde erweitern und mit meiner eigenen (positiven) Stellungnahme vollenden zu können.

Wilhelm II., der Enkel Wilhelms I., der am 18. Januar 1871 in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen worden war, und Sohn des liberalen Friedrichs III., der aufgrund einer Krebserkrankung nur von März bis Juni 1888 Kaiser war, weshalb das Jahr 1888 als "Dreikaiserjahr" berühmt wurde, wurde am 27. Januar 1859 von Königin Viktoria, der Tochter der britischen Königin Victoria, geboren. 1890, zwei Jahre nach der Thronbesteigung, durch die er zugleich deutscher Kaiser und preußischer König wurde, entließ er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten z. B. in der Sozialisten- und Rußlandfrage den bisherigen Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck, der u. a. nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1870/71 die Gründung eben jenes Deutschen Reichs unter Führung Preußens angestoßen und die ersten deutschen Schutzgebiete erworben hatte und zugleich ein enger Vertrauter Wilhelms I. war. Nach einigen Peinlichkeiten wie der Daily-Telegraph-Affäre 1908 kam es bald darauf im Jahre 1914 zum Kriegsausbruch, was ihn später noch zu dem berühmten Satz führen sollte: "Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche."
Jedoch verlor Wilhelm innerhalb des Krieges immer mehr an Macht, v. a. an die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) unter Hindenburg und Ludendorff, sodass er sich, was aber noch schwerwiegendere Gründe hatte, gezwungen sah, am 28. November 1918 seine Abdankung, die ohne seine Zustimmung jedoch schon am 9. November verkündet worden war, zu bestätigen und ins Exil nach Haus Doorn in den Niederlanden zu gehen, wo er, nach seinem Tod am 4. Juni 1941, auf Befehl Adolf Hitlers beerdigt wurde, obwohl er keineswegs mit dem Nationalsozialismus sympathisiert hatte.

Freitag, 23. Januar 2009

Neuanfang Obama?

Vor wenigen Tagen wurde Barack Obama als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Millionen Menschen weltweit setzen ihre Hoffnungen auf diesen Mann und wollen in ihm einen Neuanfang sehen. Doch sind diese Hoffnungen begründet?
Meine Antwort ist: Ja. Wie komme ich zu dieser Behauptung? Nun, in der englischen Sprache unterscheidet man zwischen dem bestechlichen und korrupten politician und dem ehrenwerten, aufrechten statesman. Auch wenn ich nicht behaupten will, dass Obamas Vorgänger George W. Bush, den ich aus verschiedenen Gründen über die Jahre sehr zu schätzen gelernt habe, im Gegensatz zu meiner Umwelt, ein politician nach dieser Definition war, so muss man doch sagen, dass Obama schon jetzt als statesman bezeichnet werden kann. Er gibt nämlich den Menschen Hoffnungen auf einen Neuanfang, die jedoch auf der Basis der Realität stehen. Das ist der große Unterschied zwischen Obama und den vielen, vielen Populisten und Demagogen, die es in der Welt gab und gibt. Wo jene leere Versprechungen machen, von deren Undurchführbarkeit sowohl sie als auch jeder mit klarem Verstand Denkende schon von vorneherein überzeugt sein müssen, kennt Obama die wahren Verhältnisse. Er ist ein wirklicher Realpolitiker und gerade deswegen kann er den Menschen Hoffnung geben, die somit auch authentisch wirkt und ist. Deshalb wurde er gewählt.
In die Geschichtsbücher eingehen wird er schon allein deshalb, weil er der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten ist. Dies ist das unübersehbare Zeichen dafür, dass die alten, von Haß und Ressentiments geprägten Zeiten, endgültig vorbei sind. Zum Helden kann er dann werden, wenn es ihm tatsächlich gelingt, in den nächsten vier Jahren spürbare Veränderungen zu vollziehen und die Menschen, die ihre Hoffnungen auf ihn setzen, als seine Anhänger zu behalten.
Die Last auf seinen Schultern ist enorm, aber wenn einer die Kraft hat, die Last, die dieser Tage auf dem Amt des US-Präsidenten ruht, abzuschütteln oder wenigstens zu verringern, dann zweifellos er. Hoffen auch wir, dass Obamas Präsidentschaft erfolgreich wird und sagen auch wir in Deutschland uns immer wieder, um uns aufzufordern, selbst an der Gesellschaft mitzuarbeiten: Yes, we can!

Mittwoch, 14. Januar 2009

Zur Person: Charles Darwin

Jetzt hat es richtig begonnen: das Darwin-Jahr 2009. Zwar jährt sich der Geburtstag des Begründers der Abstammungslehre erst am 12. Februar dieses Jahres zum 200. Male, doch es ist sinnvoll, sich nicht nur an einem Tag, sondern ruhig über einen längeren Zeitraum mit solch wichtigen Persönlichkeiten wie Darwin zu beschäftigen.
Dies ist gerade heute wichtiger denn je, denn mittlerweile ist die Diskussion über die Evolutionslehre bis in die breite Öffentlichkeit vorgedrungen, was vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre. Viele namhafte und viele selbsternannte Experten geben durch Internet, Fernsehen und Publikationen ihre meist sehr subjektive Meinung zu dem Thema bekannt. Weltbekannt wurde der Gelehrtenstreit zwischen John Lennox und Richard Dawkins ("Der Gotteswahn").
Wann immer es viele Leute gibt, die ihre Meinung kundtun wollen, gibt es auch ein breitgefächertes Spektrum dieser Meinungen. Doch hier bildet die Evolutionslehre scheinbar eine Ausnahme: Sie scheint zu polarisieren, ja auszusondern. Evolutionist oder Kreationist. Dass das Eine nicht eine Leugnung von der Existenz Gottes und das Andere nicht ein Infragestellen jeglicher naturwissenschaftlicher Methodik bedeuten muss, ist zwar eine wichtige Tatsache, jedoch nur Wenigen bekannt. Eins sollte man sich daher bei der Beurteilung Andersdenkender auf diesem Gebiet stets vor Augen halten: Charles Darwin selbst war Theologe und ein gläubiger Mensch.

Doch vorerst einige Worte zu Darwin selbst: Als Kind schon erwachte sein brennendes Interesse an der Natur und er verbrachte viel Zeit mit dem Jagen von kleinen Tieren. Die Schule lag ihm eher weniger.
Nachdem er das Studium der Medizin abgebrochen hatte, weil er kein Blut sehen konnte, studierte er auf Wunsch seines Vaters Theologie, nebenbei jedoch auch mit größerem Interesse Botanik und Geologie. Von 1831 bis 1836 nahm er dann an der Weltreise des Vermessungsschiffs "Beagle" teil, die ihn zu den wichtigsten Orten führen sollte, an deren Natur er die Evolutionsgeschichte erkannt haben wollte. Diese Lehre der Abstammung und Selektion fasste er dann später in seinem epochemachenden Werk "On the Origin of Species by means of Natural Selection" von 1859 zusammen, woraufhin er und seine Schrift vom anglikanischen Klerus aufs Schärfste attackiert wurden. Spötter verbreiteten Zeichnungen von Darwins Kopf auf dem Körper eines Affen.
Doch Darwin sollte siegen: Als er 1882 starb, war seine Theorie bereits allgemein anerkannt und das Bild des Menschen hatte sich grundlegend geändert. Aber auch das Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie hatte er geändert: Früher war die Naturwissenschaft häufig nur dazu verwendet worden, um Gott zu beweisen (man denke an die vielen Naturwissenschaft betreibenden Priester, wie Darwin selbst einer werden sollte), jetzt jedoch hatte er erstmals ein Modell vorgelegt, mit dem die Naturwissenschaft sogar Argumente gegen die Existenz Gottes vorbringen konnte.

Diese Änderungen haben ihre Bedeutung auch heute noch nicht verloren, denn, wenn die Evolution naturwissenschaftlich auch bewiesen ist, müssen wir uns doch immer wieder fragen: Was bedeutet das für uns Menschen und unser Verhältnis zur Natur und zu Gott?
Unser Glaube an Gott sollte nicht davon abhängig sein, inwiefern er der Schöpfer der Welt ist, wobei sich hier das „Schöpfer“ so versteht, wie es von den Kreationisten propagiert wird. Es muss immerzu wiederholt werden: Auch wenn die Evolution Tatsache ist, kann und muss Gott trotzdem Schöpfer sein, Schöpfer in dem umfassenden Sinne, wie ihn das Glaubensbekenntnis nennt: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Dieser Satz ist das Bekenntnis der Christen, das unverrückbare Dogma. Und keine natur- oder geisteswissenschaftliche Erkenntnis kann diesen Satz außer Kraft setzen, weil es erstens heißt: „Ich glaube“, es sich also um einen freien Entschluss handelt, und zweitens die Sprache vom Schöpfergott absichtlich im Allgemeinen bleibt und eben keine Aussagen über die Art und Weise seiner Schöpfungsmethode macht. Es ist nicht entscheidend, wie, sondern, dass Himmel und Erde Schöpfung Gottes sind.
Und das sollten beide Gruppen, Evolutionisten und Kreationisten, akzeptieren und in diesem Satz des Credos können sich auch beide zusammenfinden. Denn es entspricht dem Glaubensbekenntnis im vollsten Maße, wenn man Gottes Wirken nicht auf eine Schöpfung in sieben Tagen beschränkt, sondern ihm, dem Unerklärlichen, den Raum lässt, der ihm gebührt. Er - das ist allerdings meine persönliche Meinung - offenbart sich mit seiner Allweisheit viel stärker darin, wenn er die Macht hat, den Anstoß zu einer Welt zu geben, die sich aus sich selbst heraus entwickeln kann, was allerdings späteres direktes Eingreifen Gottes nicht ausschließt, wie wir in der Person Jesu Christi sehen, weil er als Schöpfer eben der Naturgesetze ja immer noch über ihnen steht, als in einem naiven Glauben an die wörtlich zu verstehende Schöpfungserzählung aus der Bibel.
Die Evolution ist naturwissenschaftlich so gut wie gesichert und es ist theologisch und kulturhistorisch erwiesen, dass auch die Schöpfungserzählung der Bibel gar nicht naturwissenschaftlich verstanden werden will, sondern unsere Beziehung zu Gott aufzeigen will. Wenn man sie von daher versteht, hat die Idee des extremen Kreationismus tatsächlich keine Existenzberechtigung mehr, weil man mit ihr weiter zurückfällt, als die frühgeschichtlichen Autoren der Schöfpungserzählung geistig fortgeschritten waren, wenn nämlich sie selbst erkannt haben, dass diese Geschichte ein Bild für etwas Höheres ist, man aber heute versucht ist, sie wörtlich zu nehmen!

Legen wir den Streit beiseite und seien wir Gott dankbar, dass er uns die Möglichkeit gibt, die von ihm geschaffene Welt naturwissenschaftlich zu erklären, denn gerade darin äußert sich sein Wesen am stärksten. Gott bringt Ordnung und Sinn ins Leben, ohne ihn wäre Naturwissenschaft nicht möglich.


Freitag, 9. Januar 2009

Krisenherd Naher Osten

Gerade dieser Tage rückt der Nahe Osten wieder verstärkt ins Licht der Öffentlichkeit, vor allem wegen des Krieges zwischen Israel und der radikal-palästinenischen Hamas, wobei dieser Konflikt nur ein kleiner Teil in der großen Krisenregion Naher Osten ist. Seit Jahren hört man so viel Nachrichten aus dieser Gegend, dass man schnell die Übersicht und - bei stündlich neu eintreffenden Berichten - auch den Anschluss verliert.
Es ist - das kann niemand leugnen - für die Beilegung der Krisen äußerst wichtig, zu verstehen, was die Hintergründe derselben sind. Diese auszuführen kann nicht meine Aufgabe sein, vielmehr will ich nur stichwortartig die Hauptursachen benennen: Sie liegen im Spannungsverhältnis der islamischen Religion mit der jüdischen, bzw. im weiteren Sinne auch mit der christlichen, den verschiedenen Besonderheiten des Staates Israel, sowie den Interessen der USA und Europas an den Erdöl- und Erdgasquellen dieser Länder. Besonders der letzte Punkt hört sich harmlos an, ist jedoch von enormer Wichtigkeit - und das müssen wir uns erstmal eingestehen! Wir sind nämlich schnell dabei, diese oder jene Organisation, dieses oder jene Land, diese oder jene Religion zu verurteilen - doch wer gibt die eigene Schuld zu? Den weitaus größten Anteil ihres Öls und Gases beziehen die USA und Europa aus dem Nahen Osten und sind so in einer starken Abhängigkeit von ihm - solange dort nicht der letzte Tropfen Öl verschwunden oder hier großflächig auf andere Arten der Energiegewinnung umgestiegen ist. Und nur wegen dieser Abhängigkeit ist im Nahen Osten die größte militärische und mediale Präsenz anderer Länder auf der ganzen Welt vertreteten.
Wie viele andere Krisenherde gibt es sonst noch auf der Welt! Und aus all diesen Gebieten erfährt man vielleicht zweimal jährlich Berichterstattung in den Medien! Da wird schnell klar, dass es sich bei unserer Hilfe nicht um die Interessen der betroffenen Länder ,sondern um unsere eigenen dreht.
Natürlich muss man sagen: Es ist nicht schlimm, sich mit eigenem Interesse für die Stabilität internationaler Handelsverträge und Wirtschaftstransaktionen einzusetzen und sicherlich liegt auch bei den Krisenländern im Nahen Osten selbst eine mehr oder minder große Schuld an der Krise. Vielleicht kann man sogar sagen, dass eine Krise d0rt sowieso schon vorhanden war und durch unser Verlangen nach Energie und den daraus folgenden Konsequenzen nur noch verstärkt wurde.
Aber vor allem muss eins feststehen: Wir dürfen uns nicht mit der Forderung nach Frieden ausschließlich an den Nahen Osten wenden. Soweit geschieht das ja sogar noch, denn tatsächlich gibt es regelmäßig auch Forderungen nach dem weltweiten Frieden. Doch Bemühungen, diese Forderung konkret umzusetzen, werden leider nur im Nahen Osten in dieser Stärke betrieben, und das ist der große Fehler. Krieg ist Krieg und wir sollten uns überall gleich engagiert für den Frieden einsetzen. Denn wenn auch an anderen Orten Frieden herrscht, kann sich auch dort eine stabile Wirtschaft und Politik entwickeln, was letztlich auch zu unserem Vorteil werden würde. Doch vor allem brauchen wir Frieden nicht der Wirtschaft sondern der Menschen wegen und dafür müssen wir uns an jedem Ort der Welt einsetzen.

Dienstag, 6. Januar 2009

2009 - Deutschland am Wendepunkt?

1849, 1919, 1929, 1939, 1949, 1969, 1989, 2009?
Das so eben begonnene Jahr steht in einer Reihe mit für die deutsche Geschichte sehr bedeutsamen Jahren - die Verbindung liegt in der Zahl 9, anscheinend einer Schicksalszahl. Wir kennen diese Zahl auch aus der Musik: Die neunte Sinfonie eines Komponisten ist immerzu ein Mysterium.
Wenn dies auch alles Zufälle sein mögen, so müssen wir uns doch fragen: Auf was müssen wir im Jahr 2009 vorbereitet sein? Werden große Veränderungen über unser Land, über die Welt hinwegziehen? Umstürze, Revolutionen? All dies ist jetzt noch nicht zu beantworten, weil wir erst am Beginn des Weges stehen.
Lassen wir uns überraschen, hört man diesertage aus vielen Richtungen. Doch ist das der richtige Weg? Anstatt das Jahr passiv über uns zu kommen oder es gar an uns vorbeiziehen zu lassen, sollten wir mutig in die Zukunft blicken und selbst aktiv werden. Die Welt soll nicht uns, sondern wir sollen die Welt verändern. Und dafür bietet das Jahr 2009 mit Sicherheit eine gute Gelegenheit, gerade wegen der historischen Schicksalsjahre. Mitarbeit an der Gesellschaft, das ist es, was die Demokratie ausmacht. Und ist es nicht die Demokratie, die in den Jahren 1849, 1919, 1949 und 1989 sich immer weiter ihren Weg bahnte? Sind es nicht diese Jahre, in denen Menschen sich mit Weitblick für das Wohl der Allgemeinheit eingesetzt haben?
Zugegeben, die Demokratie hatte es schwer in Deutschland und wurde immer wieder angegriffen und missbraucht. Doch seit nunmehr 60, wenigstens jedoch 20 Jahren ist unser Land geeint mit einer stabilen politischen Ordnung.
Das Weiterbestehen dieser Ordnung liegt in unserer Hand. Konkret kann Demokratie heißen, sich politisch zu engagieren, sei es auf kommunaler oder Bundesebene. Doch Demokratie heißt mehr als Politik machen. Jeder, der sich für die Gesellschaft engagiert, stabilisiert die Demokratie. Das kann im Sportverein, in der Schule, in der Kirche sein, das kann aber auch sein, einfach seine Meinung zu sagen. Das ist gerade heute, zu Zeiten des Internets, leichter als jemals zuvor. Tausende Menschen auf der Welt und in Deutschland diskutieren in Foren oder haben Blogs und regen so zum Mitdenken und Mithandeln an.
Wenn jeder sich in diesem Jahr auf irgendeine dieser Weisen oder auf ganz andere Weise für seine Mitmenschen, seine Umwelt, sein Land einsetzt, dann ist das erreicht, was der eigentliche Sinn der Demokratie ist.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und euch ein segensreiches und erfreuliches Jahr 2009!