Die CDU wurde im Jahre 1945 gegründet, doch ihre ersten Ursprünge sind schon gut hundert Jahre zuvor zu suchen. So befand sich bereits im Paulskirchenparlament eine katholische, und damit eindeutig ihr christliches Weltbild bekundende Gruppierung, die in der Mitte saß, zwischen den Konservativen rechts und den Demokraten links. Von dieser Sitzordnung rührt auch noch die heutige Bezeichnung von Parteien nach “links” und “rechts” her. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reiches unter Führung des protestantischen Preußens sah man sich in politisch-katholischen Kreisen genötigt, eine geschlossene Gruppe zu bilden.
So wurde aus der katholischen Fraktion im preußischen Parlament heraus im Jahre 1870 die Partei “Zentrum” gegründet, benannt nach der Sitzposition in der Paulskirche. Sie sollte lange Zeit als das Sprachrohr der katholischen Kirche in der deutschen Politik gelten.
Niederlage Bismarcks
Unterdessen sah Reichskanzler Bismarck in der neuen Partei eine Gefahr für das Reich, nicht nur weil das Kaiserhaus evangelisch war. Er befürchtete auch, das Zentrum könne Verbindungen zu den katholischen Ländern Frankreich und Österreich haben. Frankreich war sehr, Österreich zum Großteil verhasst. Dadurch veranlasst wurden in den 1870er Jahren viele Gesetze verabschiedet, die der katholischen Kirche, ihren Geistlichen und Laien viele Repressionen zufügten, obwohl das Zentrum schon bei den ersten Reichstagswahlen die zweitstärkste Partei geworden war. So wurden Priestern Strafen angedroht, wenn sie von der Kanzel über staatliche Angelegenheiten redeten, die Zivilehe wurde als alleingültige Ehe konstituiert und mit Ausnahme der reinen Krankenpflegeorden wurden 1875 alle kirchlichen Orden verboten.
Jedoch erreichte Bismarck mit diesen Schritten sein erhofftes Ziel, die Schwächung der katholischen Bewegung, nicht. Das Gegenteil trat ein: Die Katholiken schlossen sich immer fester zusammen und das Zentrum gewann an Macht. Zum Teil kam dem Zentrum auch Zulauf von der sonst die Sozialdemokraten unterstützenden Arbeiterschaft zu, wozu auch die vielen seit Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten karitativen Einrichtungen und Laienvereine der katholischen Kirche ihren Teil beitrugen. Als 1878 Papst Pius IX. starb, nutze Bismarck die Gelegenheit, den Kulturkampf zu beenden, was durch die Kompromissbereitschaft des neuen Papstes, Leos XIII., erheblich erleichtert wurde.
Herausbildung von überkonfessionellen Gruppen
Da man nun nicht mehr in diesem Maße unterdrückt wurde, verwischte sich auch nach der Entlassung Bismarcks durch Wilhelm II. im Jahre 1890 allmählich die strenge konfessionelle Ausrichtung der Zentrumspartei. Diese Entwicklung wurde, wie die Entstehung der Sozialdemokratie, auch durch die Industrialisierung begünstigt, weil nun erstmals nach Jahrhunderten das “cuius regio, eius religio” seine praktische Bedeutung zu verlieren begann: Die Menschen kamen aus den unterschiedlichsten Gebieten in die großen Industriestädte und sie alle brachten ihre eigene Konfession mit. Die Zivilehe ermöglichte daher jetzt auch immer öfter Ehen, in denen die Ehegatten unterschiedlicher Konfession waren. Das war zwar noch viele Jahrzehnte später eher die Ausnahme, doch die Wurzel liegt unbestreitbar im Kaiserreich. Aber auch aufgrund der außenpolitischen Entwicklung verlor die starke Konfessionalität des Zentrums ein wenig an Bedeutung. Es etablierte sich im Tagesgeschäft der Politik, so dass manchmal mehr, manchmal weniger der christlichen Überzeugung zum Tragen kam.
Im Sommer 1933 wurde die Partei zwangsaufgelöst. Der Widerstand im Nationalsozialismus überwand endgültig alle konfessionellen Grenzen und so bildeten sich einige lose gesamtchristliche Gruppierungen.
Neuanfang nach dem Krieg
Man lernte so die Zusammenarbeit zu schätzen, so dass nach dem Krieg aus dem christlich-bürgerlichen Lager der Ruf nach einer überkonfessionell-christlichen Partei laut wurde. Neben ehemaligen Zentrumspolitikern fanden sich in dieser neuen Partei, der Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU), auch christliche Gewerkschaftler und Protestanten, die während der Weimarer Republik in der DDP, DVP oder DNVP tätig gewesen waren.
Während die CDU im Osten, nachdem sie sich den antifaschistischen Parteien angeschlossen hatte, immer mehr an Bedeutung verlor, stieg sie im Westen schnell zur Volkspartei auf, deren ersten Bundesvorsitz 1950 Konrad Adenauer übernahm, der selbst seit 1906 Zentrums-Mitglied und von 1917 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten Oberbürgermeister des sehr katholisch geprägten Köln gewesen war.
Der Einfluss der Gewerkschaftler in der CDU, die sich zunehmend zur SPD hinwendeten, ging noch vor 1950 stark zurück, was zu einer Stärkung des bürgerlich-konservativen und industriellen Flügels führte, was unter der Führung des späteren Bundeskanzler Ludwig Erhard zur Profilierung der christlich motivierten sozialen Marktwirtschaft führte, auf die sich die CDU auch gerade heute neu zurückbesinnt, jetzt vor allem unter Jürgen Rüttgers.
Christliches Bekenntnis heute
Unlängst wurde Kanzlerin Merkel gerade aus der eigenen Partei scharf für ihre Forderung gegenüber einer Klarstellung Papst Benedikts bezüglich des Holocaustleugners Williamson kritisiert. Sie dürfe sich nicht in innerkirchliche Angelegenheiten einmischen, hieß es da.
Dies zeigt, dass auch heute noch, über 150 Jahre nach den ersten Anfängen christlicher Parteienbildung in der Frankfurter Nationalversammlung, das Verhältnis in der größten christlichen Volkspartei Deutschlands zum christlichen Glauben mehr ist als bloß ein rein formelles. Daher wäre es sicherlich nicht gerechtfertigt, das “C” aus “CDU” zu streichen, wie es einmal Kardinal Meisner in einem anderen Zusammenhang forderte. Denn das Bekenntnis zum Christentum ist noch häufig vorhanden und hat auch Auswirkungen auf die Tagespolitik - selbst da, wo man es vielleicht nicht immer meint und merkt.
Donnerstag, 16. April 2009
Sonntag, 22. März 2009
Freiheit für Tibet!
Jüngste Unruhen lenken die Aufmerksamkeit der weltweiten Medien dieser Tage wieder nach China, wo in der nördlich von Tibet gelegenen Provinz Qinghai, die vorwiegend von Tibetern bewohnt wird, 93 buddhistische Mönche und 95 andere Menschen nach einer Attacke auf eine Polizeistation von den chinesischen Behörden festgenommen worden seien.
Wie kommt es immer wieder zu diesen Auseinandersetzungen zwischen China und Tibet? Um das zu verstehen, muss man weit in die Geschichte zurückgehen. Nachdem China schon seit dem 13. Jahrhundert Anspruch auf die hochgelegene Region im Himalaya erhoben hatte, gelang es den Tibetern im Jahre 1911, unabhängig zu werden. Doch 1950 marschierten Truppen des mittlerweile kommunistisch gewordenen China in Tibet ein und machten es zu einer chinesischen Provinz.
Zwar haben die Chinesen die Tibeter vielfach von Leibeigenschaft und Sklaverei befreit und das Land infrastrukturell neu erschlossen, doch leidet die gesamte buddhistisch-tibetische Kultur unter den vielen Einflüssen aus China, dem Tourismus, vor allem aber der immer noch vorhandenen militärischen Unterdrückung durch die Chinesen.
Vor 50 Jahren, am 10. März 1959, war es dann zu einem Aufstand der Tibeter gekommen, der allerdings blutig niedergeschlagen wurde. Daraufhin floh der Dalai-Lama, das geistliche und weltliche Oberhaupt aller Tibeter, ins Exil nach Nordindien, mit ihm viele seiner Landsleute.
Verstärkt wurde der Konflikt noch, als in den 1960er Jahren riesige Landbesitze buddhistischer Klöster verstaatlicht wurden. Überhaupt spielen die Mönche und Nonnen im Tibetkonflikt eine große Rolle, weil von ihnen meist die aufständischen Aktionen gegen die chinesische Unterdrückung ausgehen. Für dieses Engagement leben sie allerdings in höchster Gefahr. Wie die Meldung oben zeigt, sind sie die bevorzugten Opfer des chinesischen Sicherheitsapparates, weil sie gleichsam die Identifikationspersonen ganz Tibets sind. Bestraft werden sie schon alleine wegen ihrer Loyalität dem Dalai-Lama gegenüber, der von China als Staatsfeind angesehen wird.
Angesichts solcher Tatsachen kann nicht geleugnet werden: Tibet wird von China massiv unterdrückt und hat das Recht auf sofortige Unabhängigkeit. Jeder sollte sich für Tibet einsetzen, sei es auch nur dadurch, Informationen zu sammeln. Denn nur wer Bescheid weiß, kann helfen. Es kann nicht so weitergehen wie bisher, dass jährlich hunderte Tibeter und buddhistische Mönche in die teilweise menschenunwürdigen chinesischen Gefängnisse gesteckt werden, obwohl sie nichts gemacht haben, außer dem Dalai-Lama ihre Loyalität zu beweisen oder für die berechtigte Unabhängigkeit ihres Landes einzutreten.
Daher fordere ich, dass Tibet sofort unabhängig von China und als autonomer Staat von der Staatengemeinschaft anerkannt wird. Sollte dies nicht geschehen, sind nur folgende Lösungen denkbar: Dauerhafte Stationierung von Blauhelmen in der Region und harte Sanktionen der UNO gegenüber China. Vor allem aber müssen sich die Staats- und Regierungschefs verstärkt für die tibetische Unabhängigkeit einsetzen und sich offiziell hinter Tibet und damit gegen China stellen.
Dies geschieht bisher nur aus dem Grunde nicht, weil China einer der wichtigsten Handelspartner der meisten Industriestaaten ist und man sich nicht die Geschäfte verderben will. Doch ich bin mir sicher: Zeitweilige Handelsblockaden werden von den Volkswirtschaften der einzelnen Länder gut getragen werden und China wird sich wirklich von Tibet trennen, weil es gerade an der Schwelle zum hochentwickelten Industriestaat steht, und damit, um diese Schwelle zu überschreiten, auf den internationalen Handel existenziell angewiesen ist. Gerade zu Zeiten der Finanzkrise würde solch eine Lösung noch viel schneller ablaufen. Doch es muss sich jemand trauen. Oberstes Gebot in allen die Volksrepublik China betreffenden Fragen muss daher sein: Freiheit für Tibet!
Wie kommt es immer wieder zu diesen Auseinandersetzungen zwischen China und Tibet? Um das zu verstehen, muss man weit in die Geschichte zurückgehen. Nachdem China schon seit dem 13. Jahrhundert Anspruch auf die hochgelegene Region im Himalaya erhoben hatte, gelang es den Tibetern im Jahre 1911, unabhängig zu werden. Doch 1950 marschierten Truppen des mittlerweile kommunistisch gewordenen China in Tibet ein und machten es zu einer chinesischen Provinz.
Zwar haben die Chinesen die Tibeter vielfach von Leibeigenschaft und Sklaverei befreit und das Land infrastrukturell neu erschlossen, doch leidet die gesamte buddhistisch-tibetische Kultur unter den vielen Einflüssen aus China, dem Tourismus, vor allem aber der immer noch vorhandenen militärischen Unterdrückung durch die Chinesen.
Vor 50 Jahren, am 10. März 1959, war es dann zu einem Aufstand der Tibeter gekommen, der allerdings blutig niedergeschlagen wurde. Daraufhin floh der Dalai-Lama, das geistliche und weltliche Oberhaupt aller Tibeter, ins Exil nach Nordindien, mit ihm viele seiner Landsleute.
Verstärkt wurde der Konflikt noch, als in den 1960er Jahren riesige Landbesitze buddhistischer Klöster verstaatlicht wurden. Überhaupt spielen die Mönche und Nonnen im Tibetkonflikt eine große Rolle, weil von ihnen meist die aufständischen Aktionen gegen die chinesische Unterdrückung ausgehen. Für dieses Engagement leben sie allerdings in höchster Gefahr. Wie die Meldung oben zeigt, sind sie die bevorzugten Opfer des chinesischen Sicherheitsapparates, weil sie gleichsam die Identifikationspersonen ganz Tibets sind. Bestraft werden sie schon alleine wegen ihrer Loyalität dem Dalai-Lama gegenüber, der von China als Staatsfeind angesehen wird.
Angesichts solcher Tatsachen kann nicht geleugnet werden: Tibet wird von China massiv unterdrückt und hat das Recht auf sofortige Unabhängigkeit. Jeder sollte sich für Tibet einsetzen, sei es auch nur dadurch, Informationen zu sammeln. Denn nur wer Bescheid weiß, kann helfen. Es kann nicht so weitergehen wie bisher, dass jährlich hunderte Tibeter und buddhistische Mönche in die teilweise menschenunwürdigen chinesischen Gefängnisse gesteckt werden, obwohl sie nichts gemacht haben, außer dem Dalai-Lama ihre Loyalität zu beweisen oder für die berechtigte Unabhängigkeit ihres Landes einzutreten.
Daher fordere ich, dass Tibet sofort unabhängig von China und als autonomer Staat von der Staatengemeinschaft anerkannt wird. Sollte dies nicht geschehen, sind nur folgende Lösungen denkbar: Dauerhafte Stationierung von Blauhelmen in der Region und harte Sanktionen der UNO gegenüber China. Vor allem aber müssen sich die Staats- und Regierungschefs verstärkt für die tibetische Unabhängigkeit einsetzen und sich offiziell hinter Tibet und damit gegen China stellen.
Dies geschieht bisher nur aus dem Grunde nicht, weil China einer der wichtigsten Handelspartner der meisten Industriestaaten ist und man sich nicht die Geschäfte verderben will. Doch ich bin mir sicher: Zeitweilige Handelsblockaden werden von den Volkswirtschaften der einzelnen Länder gut getragen werden und China wird sich wirklich von Tibet trennen, weil es gerade an der Schwelle zum hochentwickelten Industriestaat steht, und damit, um diese Schwelle zu überschreiten, auf den internationalen Handel existenziell angewiesen ist. Gerade zu Zeiten der Finanzkrise würde solch eine Lösung noch viel schneller ablaufen. Doch es muss sich jemand trauen. Oberstes Gebot in allen die Volksrepublik China betreffenden Fragen muss daher sein: Freiheit für Tibet!
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Sonntag, 15. Februar 2009
Der Papst und die Piusbrüder - Eine Bilanz
Der große Sturm um die Entscheidung des Papstes bezüglich der Rücknahme der Exkommunikation von Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Piux X hat sich gelegt und nun kann man in Ruhe darüber nachdenken. Wie immer und überall, muss man auch hier differenziert denken. Klar ist, dass man nicht so berichten darf, wie es die Medien gemacht haben, nämlich nur negativ. Klar ist aber auch, dass, wenn es um das Verhältnis zwischen Christen und Juden geht, kein Schritt zur freundlichen Annäherung aneinander versäumt werden darf. Zudem muss darauf hingewiesen werden, dass nur die Äußerungen des Bischofs Williamson dieser innerkirchlichen Angelegenheit eine solche bis in die Politik reichende Brisanz gegeben haben.
Doch zunächst zu den Piusbrüdern. Was ist von ihnen zu halten? Sie halten sich für erzkatholisch, stehen aber im Bruch mit der katholischen Kirche, weil sie bestimmte Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils bezüglich der Religionsfreiheit und der Liturgie nicht anerkennen wollen. Wenn sie sich wirklich katholisch zeigen wollen, müssen sie die Lehre der Kirche in allen Punkten annehmen. Wenn dies formal geregelt ist, wird sich sicher niemand über bestimmte Sonderrechte für die Piusbrüder in Sachen Liturgie aufregen. Gerade Papst Benedikt ist ja selbst ein großer Freund der alten liturgischen Tradition, weshalb ein weiteres Entgegenkommen auf diesem Gebiete wahrscheinlich ist. Jedoch unter der Bedingung der völligen Akzeptanz des Vaticanums II.
Nun zu Bischof Williamson. Äußerungen wie die seinen dürfen nicht geduldet werden, besonders nicht, weil sie von einem Bischof stammen. Als Bischof ist er in erster Linie Seelsorger und darf sich damit nicht so verhalten. Das Christentum ist aus dem Judentum hervorgegangen und ist ihm innerlichst verbunden. Man kann als überzeugter Christ um eine Bekehrung der Juden beten, mehr jedoch nicht. Wenn man jedoch seinen Hass gegenüber Juden zeigt, indem man den Holocaust leugnet, dann ist das zutiefst unchristlich.
Zuletzt zum Papst. Ich sehe ihn als Opfer von nicht länger hinnehmbaren Missständen in der Kurie. Lange Zeit schien es so, als könnten aus dem Vatikan keine Informationen nach draußen kommen. Jetzt jedoch bekommt man den Eindruck, selbst innerhalb des Vatikans sei Informationsfluss nicht möglich. Ich bin mir sicher, der Papst wird personelle Konsequenzen aus diesem Skandal ziehen, weil er nicht richtig informiert wurde. Er ist sehr viel beschäftigt, und es war ihm unmöglich, von dem Interview von Bischof Williamson zu wissen. Hoffentlich werden die Schuldigen schnell entdeckt und die Kommunikationsprobleme im Vatikan behoben. Doch das ist eine schwierige Aufgabe für den Papst: Er selbst ist - was auch gut so ist - eigentlich mehr an theologischen Fragen als an Kirchenpolitik interessiert und der ehrenwerte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ist nur selten im Vatikan, sondern immer auf Reise. Jedoch herrschen in der Kurie - das muss man leider sagen - unter Kardinal Bertone teilweise mittelalterlich anmutende Zustände mit Intrigen und dem Ringen nach Macht. Aber vielfach zeigen sich die im Vatikan arbeitenden Priester und Bischöfe auch einfach als unfähig für ihre Aufgaben und sollten durch bessere ersetzt werden. Ich muss Pater Eberhard von Gemmingen von Radio Vatikan Recht geben, wenn er sagt, dass einige Bischofsernennungen unter Johannes Paul II. mehr als unglücklich waren.
Ungeachtet dessen hat es Papst Benedikt dennoch wieder mal geschafft, die Wogen zu glätten und sich als der gezeigt, der er ist: der große, wirklich christliche, Entgegenkommer. Unter ihm kam und kommt es zu vielen Annäherungen der katholischen Kirche an die Orthodoxe Kirche, die Evangelische Kirche, Freikirchen, die Traditionalisten in der katholischen Kirche, Juden, Moslems und alle anderen Weltreligionen. Das ist sein großes Verdienst und das wirklich christliche. Man sollte immer auf Verbindung und nie auf Trennung bedacht sein.
Doch zunächst zu den Piusbrüdern. Was ist von ihnen zu halten? Sie halten sich für erzkatholisch, stehen aber im Bruch mit der katholischen Kirche, weil sie bestimmte Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils bezüglich der Religionsfreiheit und der Liturgie nicht anerkennen wollen. Wenn sie sich wirklich katholisch zeigen wollen, müssen sie die Lehre der Kirche in allen Punkten annehmen. Wenn dies formal geregelt ist, wird sich sicher niemand über bestimmte Sonderrechte für die Piusbrüder in Sachen Liturgie aufregen. Gerade Papst Benedikt ist ja selbst ein großer Freund der alten liturgischen Tradition, weshalb ein weiteres Entgegenkommen auf diesem Gebiete wahrscheinlich ist. Jedoch unter der Bedingung der völligen Akzeptanz des Vaticanums II.
Nun zu Bischof Williamson. Äußerungen wie die seinen dürfen nicht geduldet werden, besonders nicht, weil sie von einem Bischof stammen. Als Bischof ist er in erster Linie Seelsorger und darf sich damit nicht so verhalten. Das Christentum ist aus dem Judentum hervorgegangen und ist ihm innerlichst verbunden. Man kann als überzeugter Christ um eine Bekehrung der Juden beten, mehr jedoch nicht. Wenn man jedoch seinen Hass gegenüber Juden zeigt, indem man den Holocaust leugnet, dann ist das zutiefst unchristlich.
Zuletzt zum Papst. Ich sehe ihn als Opfer von nicht länger hinnehmbaren Missständen in der Kurie. Lange Zeit schien es so, als könnten aus dem Vatikan keine Informationen nach draußen kommen. Jetzt jedoch bekommt man den Eindruck, selbst innerhalb des Vatikans sei Informationsfluss nicht möglich. Ich bin mir sicher, der Papst wird personelle Konsequenzen aus diesem Skandal ziehen, weil er nicht richtig informiert wurde. Er ist sehr viel beschäftigt, und es war ihm unmöglich, von dem Interview von Bischof Williamson zu wissen. Hoffentlich werden die Schuldigen schnell entdeckt und die Kommunikationsprobleme im Vatikan behoben. Doch das ist eine schwierige Aufgabe für den Papst: Er selbst ist - was auch gut so ist - eigentlich mehr an theologischen Fragen als an Kirchenpolitik interessiert und der ehrenwerte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone ist nur selten im Vatikan, sondern immer auf Reise. Jedoch herrschen in der Kurie - das muss man leider sagen - unter Kardinal Bertone teilweise mittelalterlich anmutende Zustände mit Intrigen und dem Ringen nach Macht. Aber vielfach zeigen sich die im Vatikan arbeitenden Priester und Bischöfe auch einfach als unfähig für ihre Aufgaben und sollten durch bessere ersetzt werden. Ich muss Pater Eberhard von Gemmingen von Radio Vatikan Recht geben, wenn er sagt, dass einige Bischofsernennungen unter Johannes Paul II. mehr als unglücklich waren.
Ungeachtet dessen hat es Papst Benedikt dennoch wieder mal geschafft, die Wogen zu glätten und sich als der gezeigt, der er ist: der große, wirklich christliche, Entgegenkommer. Unter ihm kam und kommt es zu vielen Annäherungen der katholischen Kirche an die Orthodoxe Kirche, die Evangelische Kirche, Freikirchen, die Traditionalisten in der katholischen Kirche, Juden, Moslems und alle anderen Weltreligionen. Das ist sein großes Verdienst und das wirklich christliche. Man sollte immer auf Verbindung und nie auf Trennung bedacht sein.
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Dienstag, 27. Januar 2009
Zur Person: Wilhelm II.

Folgende Sätze stammen aus einem Kurzreferat von mir und spiegeln anlässlich des 150. Geburtstages des letzten deutschen Kaisers am heutigen Tage sein Leben stichpunktartig wieder. Ich hoffe, die Ausführungen zu gegebener Stunde erweitern und mit meiner eigenen (positiven) Stellungnahme vollenden zu können.
Wilhelm II., der Enkel Wilhelms I., der am 18. Januar 1871 in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen worden war, und Sohn des liberalen Friedrichs III., der aufgrund einer Krebserkrankung nur von März bis Juni 1888 Kaiser war, weshalb das Jahr 1888 als "Dreikaiserjahr" berühmt wurde, wurde am 27. Januar 1859 von Königin Viktoria, der Tochter der britischen Königin Victoria, geboren. 1890, zwei Jahre nach der Thronbesteigung, durch die er zugleich deutscher Kaiser und preußischer König wurde, entließ er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten z. B. in der Sozialisten- und Rußlandfrage den bisherigen Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck, der u. a. nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1870/71 die Gründung eben jenes Deutschen Reichs unter Führung Preußens angestoßen und die ersten deutschen Schutzgebiete erworben hatte und zugleich ein enger Vertrauter Wilhelms I. war. Nach einigen Peinlichkeiten wie der Daily-Telegraph-Affäre 1908 kam es bald darauf im Jahre 1914 zum Kriegsausbruch, was ihn später noch zu dem berühmten Satz führen sollte: "Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche."
Jedoch verlor Wilhelm innerhalb des Krieges immer mehr an Macht, v. a. an die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) unter Hindenburg und Ludendorff, sodass er sich, was aber noch schwerwiegendere Gründe hatte, gezwungen sah, am 28. November 1918 seine Abdankung, die ohne seine Zustimmung jedoch schon am 9. November verkündet worden war, zu bestätigen und ins Exil nach Haus Doorn in den Niederlanden zu gehen, wo er, nach seinem Tod am 4. Juni 1941, auf Befehl Adolf Hitlers beerdigt wurde, obwohl er keineswegs mit dem Nationalsozialismus sympathisiert hatte.
Wilhelm II., der Enkel Wilhelms I., der am 18. Januar 1871 in Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen worden war, und Sohn des liberalen Friedrichs III., der aufgrund einer Krebserkrankung nur von März bis Juni 1888 Kaiser war, weshalb das Jahr 1888 als "Dreikaiserjahr" berühmt wurde, wurde am 27. Januar 1859 von Königin Viktoria, der Tochter der britischen Königin Victoria, geboren. 1890, zwei Jahre nach der Thronbesteigung, durch die er zugleich deutscher Kaiser und preußischer König wurde, entließ er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten z. B. in der Sozialisten- und Rußlandfrage den bisherigen Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck, der u. a. nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1870/71 die Gründung eben jenes Deutschen Reichs unter Führung Preußens angestoßen und die ersten deutschen Schutzgebiete erworben hatte und zugleich ein enger Vertrauter Wilhelms I. war. Nach einigen Peinlichkeiten wie der Daily-Telegraph-Affäre 1908 kam es bald darauf im Jahre 1914 zum Kriegsausbruch, was ihn später noch zu dem berühmten Satz führen sollte: "Ich kenne keine Parteien mehr, kenne nur noch Deutsche."
Jedoch verlor Wilhelm innerhalb des Krieges immer mehr an Macht, v. a. an die 3. Oberste Heeresleitung (OHL) unter Hindenburg und Ludendorff, sodass er sich, was aber noch schwerwiegendere Gründe hatte, gezwungen sah, am 28. November 1918 seine Abdankung, die ohne seine Zustimmung jedoch schon am 9. November verkündet worden war, zu bestätigen und ins Exil nach Haus Doorn in den Niederlanden zu gehen, wo er, nach seinem Tod am 4. Juni 1941, auf Befehl Adolf Hitlers beerdigt wurde, obwohl er keineswegs mit dem Nationalsozialismus sympathisiert hatte.
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Freitag, 23. Januar 2009
Neuanfang Obama?
Vor wenigen Tagen wurde Barack Obama als neuer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. Millionen Menschen weltweit setzen ihre Hoffnungen auf diesen Mann und wollen in ihm einen Neuanfang sehen. Doch sind diese Hoffnungen begründet?Meine Antwort ist: Ja. Wie komme ich zu dieser Behauptung? Nun, in der englischen Sprache unterscheidet man zwischen dem bestechlichen und korrupten politician und dem ehrenwerten, aufrechten statesman. Auch wenn ich nicht behaupten will, dass Obamas Vorgänger George W. Bush, den ich aus verschiedenen Gründen über die Jahre sehr zu schätzen gelernt habe, im Gegensatz zu meiner Umwelt, ein politician nach dieser Definition war, so muss man doch sagen, dass Obama schon jetzt als statesman bezeichnet werden kann. Er gibt nämlich den Menschen Hoffnungen auf einen Neuanfang, die jedoch auf der Basis der Realität stehen. Das ist der große Unterschied zwischen Obama und den vielen, vielen Populisten und Demagogen, die es in der Welt gab und gibt. Wo jene leere Versprechungen machen, von deren Undurchführbarkeit sowohl sie als auch jeder mit klarem Verstand Denkende schon von vorneherein überzeugt sein müssen, kennt Obama die wahren Verhältnisse. Er ist ein wirklicher Realpolitiker und gerade deswegen kann er den Menschen Hoffnung geben, die somit auch authentisch wirkt und ist. Deshalb wurde er gewählt.
In die Geschichtsbücher eingehen wird er schon allein deshalb, weil er der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten ist. Dies ist das unübersehbare Zeichen dafür, dass die alten, von Haß und Ressentiments geprägten Zeiten, endgültig vorbei sind. Zum Helden kann er dann werden, wenn es ihm tatsächlich gelingt, in den nächsten vier Jahren spürbare Veränderungen zu vollziehen und die Menschen, die ihre Hoffnungen auf ihn setzen, als seine Anhänger zu behalten.
Die Last auf seinen Schultern ist enorm, aber wenn einer die Kraft hat, die Last, die dieser Tage auf dem Amt des US-Präsidenten ruht, abzuschütteln oder wenigstens zu verringern, dann zweifellos er. Hoffen auch wir, dass Obamas Präsidentschaft erfolgreich wird und sagen auch wir in Deutschland uns immer wieder, um uns aufzufordern, selbst an der Gesellschaft mitzuarbeiten: Yes, we can!
In die Geschichtsbücher eingehen wird er schon allein deshalb, weil er der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten ist. Dies ist das unübersehbare Zeichen dafür, dass die alten, von Haß und Ressentiments geprägten Zeiten, endgültig vorbei sind. Zum Helden kann er dann werden, wenn es ihm tatsächlich gelingt, in den nächsten vier Jahren spürbare Veränderungen zu vollziehen und die Menschen, die ihre Hoffnungen auf ihn setzen, als seine Anhänger zu behalten.
Die Last auf seinen Schultern ist enorm, aber wenn einer die Kraft hat, die Last, die dieser Tage auf dem Amt des US-Präsidenten ruht, abzuschütteln oder wenigstens zu verringern, dann zweifellos er. Hoffen auch wir, dass Obamas Präsidentschaft erfolgreich wird und sagen auch wir in Deutschland uns immer wieder, um uns aufzufordern, selbst an der Gesellschaft mitzuarbeiten: Yes, we can!
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Mittwoch, 14. Januar 2009
Zur Person: Charles Darwin
Jetzt hat es richtig begonnen: das Darwin-Jahr 2009. Zwar jährt sich der Geburtstag des Begründers der Abstammungslehre e
rst am 12. Februar dieses Jahres zum 200. Male, doch es ist sinnvoll, sich nicht nur an einem Tag, sondern ruhig über einen längeren Zeitraum mit solch wichtigen Persönlichkeiten wie Darwin zu beschäftigen.
Dies ist gerade heute wichtiger denn je, denn mittlerweile ist die Diskussion über die Evolutionslehre bis in die breite Öffentlichkeit vorgedrungen, was vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre. Viele namhafte und viele selbsternannte Experten geben durch Internet, Fernsehen und Publikationen ihre meist sehr subjektive Meinung zu dem Thema bekannt. Weltbekannt wurde der Gelehrtenstreit zwischen John Lennox und Richard Dawkins ("Der Gotteswahn").
Wann immer es viele Leute gibt, die ihre Meinung kundtun wollen, gibt es auch ein breitgefächertes Spektrum dieser Meinungen. Doch hier bildet die Evolutionslehre scheinbar eine Ausnahme: Sie scheint zu polarisieren, ja auszusondern. Evolutionist oder Kreationist. Dass das Eine nicht eine Leugnung von der Existenz Gottes und das Andere nicht ein Infragestellen jeglicher naturwissenschaftlicher Methodik bedeuten muss, ist zwar eine wichtige Tatsache, jedoch nur Wenigen bekannt. Eins sollte man sich daher bei der Beurteilung Andersdenkender auf diesem Gebiet stets vor Augen halten: Charles Darwin selbst war Theologe und ein gläubiger Mensch.

Doch Darwin sollte siegen: Als er 1882 starb, war seine Theorie bereits allgemein anerkannt und das Bild des Menschen hatte sich grundlegend geändert. Aber auch das Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie hatte er geändert: Früher war die Naturwissenschaft häufig nur dazu verwendet worden, um Gott zu beweisen (man denke an die vielen Naturwissenschaft betreibenden Priester, wie Darwin selbst einer werden sollte), jetzt jedoch hatte er erstmals ein Modell vorgelegt, mit dem die Naturwissenschaft sogar Argumente gegen die Existenz Gottes vorbringen konnte.

Diese Änderungen haben ihre Bedeutung auch heute noch nicht verloren, denn, wenn die Evolution naturwissenschaftlich auch bewiesen ist, müssen wir uns doch immer wieder fragen: Was bedeutet das für uns Menschen und unser Verhältnis zur Natur und zu Gott?
Unser Glaube an Gott sollte nicht davon abhängig sein, inwiefern er der Schöpfer der Welt ist, wobei sich hier das „Schöpfer“ so versteht, wie es von den Kreationisten propagiert wird. Es muss immerzu wiederholt werden: Auch wenn die Evolution Tatsache ist, kann und muss Gott trotzdem Schöpfer sein, Schöpfer in dem umfassenden Sinne, wie ihn das Glaubensbekenntnis nennt: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Dieser Satz ist das Bekenntnis der Christen, das unverrückbare Dogma. Und keine natur- oder geisteswissenschaftliche Erkenntnis kann diesen Satz außer Kraft setzen, weil es erstens heißt: „Ich glaube“, es sich also um einen freien Entschluss handelt, und zweitens die Sprache vom Schöpfergott absichtlich im Allgemeinen bleibt und eben keine Aussagen über die Art und Weise seiner Schöpfungsmethode macht. Es ist nicht entscheidend, wie, sondern, dass Himmel und Erde Schöpfung Gottes sind.
Und das sollten beide Gruppen, Evolutionisten und Kreationisten, akzeptieren und in diesem Satz des Credos können sich auch beide zusammenfinden. Denn es entspricht dem Glaubensbekenntnis im vollsten Maße, wenn man Gottes Wirken nicht auf eine Schöpfung in sieben Tagen beschränkt, sondern ihm, dem Unerklärlichen, den Raum lässt, der ihm gebührt. Er - das ist allerdings meine persönliche Meinung - offenbart sich mit seiner Allweisheit viel stärker darin, wenn er die Macht hat, den Anstoß zu einer Welt zu geben, die sich aus sich selbst heraus entwickeln kann, was allerdings späteres direktes Eingreifen Gottes nicht ausschließt, wie wir in der Person Jesu Christi sehen, weil er als Schöpfer eben der Naturgesetze ja immer noch über ihnen steht, als in einem naiven Glauben an die wörtlich zu verstehende Schöpfungserzählung aus der Bibel.
Die Evolution ist naturwissenschaftlich so gut wie gesichert und es ist theologisch und kulturhistorisch erwiesen, dass auch die Schöpfungserzählung der Bibel gar nicht naturwissenschaftlich verstanden werden will, sondern unsere Beziehung zu Gott aufzeigen will. Wenn man sie von daher versteht, hat die Idee des extremen Kreationismus tatsächlich keine Existenzberechtigung mehr, weil man mit ihr weiter zurückfällt, als die frühgeschichtlichen Autoren der Schöfpungserzählung geistig fortgeschritten waren, wenn nämlich sie selbst erkannt haben, dass diese Geschichte ein Bild für etwas Höheres ist, man aber heute versucht ist, sie wörtlich zu nehmen!
Legen wir den Streit beiseite und seien wir Gott dankbar, dass er uns die Möglichkeit gibt, die von ihm geschaffene Welt naturwissenschaftlich zu erklären, denn gerade darin äußert sich sein Wesen am stärksten. Gott bringt Ordnung und Sinn ins Leben, ohne ihn wäre Naturwissenschaft nicht möglich.
rst am 12. Februar dieses Jahres zum 200. Male, doch es ist sinnvoll, sich nicht nur an einem Tag, sondern ruhig über einen längeren Zeitraum mit solch wichtigen Persönlichkeiten wie Darwin zu beschäftigen.Dies ist gerade heute wichtiger denn je, denn mittlerweile ist die Diskussion über die Evolutionslehre bis in die breite Öffentlichkeit vorgedrungen, was vor einigen Jahrzehnten noch undenkbar gewesen wäre. Viele namhafte und viele selbsternannte Experten geben durch Internet, Fernsehen und Publikationen ihre meist sehr subjektive Meinung zu dem Thema bekannt. Weltbekannt wurde der Gelehrtenstreit zwischen John Lennox und Richard Dawkins ("Der Gotteswahn").
Wann immer es viele Leute gibt, die ihre Meinung kundtun wollen, gibt es auch ein breitgefächertes Spektrum dieser Meinungen. Doch hier bildet die Evolutionslehre scheinbar eine Ausnahme: Sie scheint zu polarisieren, ja auszusondern. Evolutionist oder Kreationist. Dass das Eine nicht eine Leugnung von der Existenz Gottes und das Andere nicht ein Infragestellen jeglicher naturwissenschaftlicher Methodik bedeuten muss, ist zwar eine wichtige Tatsache, jedoch nur Wenigen bekannt. Eins sollte man sich daher bei der Beurteilung Andersdenkender auf diesem Gebiet stets vor Augen halten: Charles Darwin selbst war Theologe und ein gläubiger Mensch.

Doch vorerst einige Worte zu Darwin selbst: Als Kind schon erwachte sein brennendes Interesse an der Natur und er verbrachte viel Zeit mit dem Jagen von kleinen Tieren. Die Schule lag ihm eher weniger.
Nachdem er das Studium der Medizin abgebrochen hatte, weil er kein Blut sehen konnte, studierte er auf Wunsch seines Vaters Theologie, nebenbei jedoch auch mit größerem Interesse Botanik und Geologie. Von 1831 bis 1836 nahm er dann an der Weltreise des Vermessungsschiffs "Beagle" teil, die ihn zu den wichtigsten Orten führen sollte, an deren Natur er die Evolutionsgeschichte erkannt haben wollte. Diese Lehre der Abstammung und Selektion fasste er dann später in seinem epochemachenden Werk "On the Origin of Species by means of Natural Selection" von 1859 zusammen, woraufhin er und seine Schrift vom anglikanischen Klerus aufs Schärfste attackiert wurden. Spötter verbreiteten Zeichnungen von Darwins Kopf auf dem Körper eines Affen.Doch Darwin sollte siegen: Als er 1882 starb, war seine Theorie bereits allgemein anerkannt und das Bild des Menschen hatte sich grundlegend geändert. Aber auch das Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie hatte er geändert: Früher war die Naturwissenschaft häufig nur dazu verwendet worden, um Gott zu beweisen (man denke an die vielen Naturwissenschaft betreibenden Priester, wie Darwin selbst einer werden sollte), jetzt jedoch hatte er erstmals ein Modell vorgelegt, mit dem die Naturwissenschaft sogar Argumente gegen die Existenz Gottes vorbringen konnte.

Diese Änderungen haben ihre Bedeutung auch heute noch nicht verloren, denn, wenn die Evolution naturwissenschaftlich auch bewiesen ist, müssen wir uns doch immer wieder fragen: Was bedeutet das für uns Menschen und unser Verhältnis zur Natur und zu Gott?
Unser Glaube an Gott sollte nicht davon abhängig sein, inwiefern er der Schöpfer der Welt ist, wobei sich hier das „Schöpfer“ so versteht, wie es von den Kreationisten propagiert wird. Es muss immerzu wiederholt werden: Auch wenn die Evolution Tatsache ist, kann und muss Gott trotzdem Schöpfer sein, Schöpfer in dem umfassenden Sinne, wie ihn das Glaubensbekenntnis nennt: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Dieser Satz ist das Bekenntnis der Christen, das unverrückbare Dogma. Und keine natur- oder geisteswissenschaftliche Erkenntnis kann diesen Satz außer Kraft setzen, weil es erstens heißt: „Ich glaube“, es sich also um einen freien Entschluss handelt, und zweitens die Sprache vom Schöpfergott absichtlich im Allgemeinen bleibt und eben keine Aussagen über die Art und Weise seiner Schöpfungsmethode macht. Es ist nicht entscheidend, wie, sondern, dass Himmel und Erde Schöpfung Gottes sind.
Und das sollten beide Gruppen, Evolutionisten und Kreationisten, akzeptieren und in diesem Satz des Credos können sich auch beide zusammenfinden. Denn es entspricht dem Glaubensbekenntnis im vollsten Maße, wenn man Gottes Wirken nicht auf eine Schöpfung in sieben Tagen beschränkt, sondern ihm, dem Unerklärlichen, den Raum lässt, der ihm gebührt. Er - das ist allerdings meine persönliche Meinung - offenbart sich mit seiner Allweisheit viel stärker darin, wenn er die Macht hat, den Anstoß zu einer Welt zu geben, die sich aus sich selbst heraus entwickeln kann, was allerdings späteres direktes Eingreifen Gottes nicht ausschließt, wie wir in der Person Jesu Christi sehen, weil er als Schöpfer eben der Naturgesetze ja immer noch über ihnen steht, als in einem naiven Glauben an die wörtlich zu verstehende Schöpfungserzählung aus der Bibel.
Die Evolution ist naturwissenschaftlich so gut wie gesichert und es ist theologisch und kulturhistorisch erwiesen, dass auch die Schöpfungserzählung der Bibel gar nicht naturwissenschaftlich verstanden werden will, sondern unsere Beziehung zu Gott aufzeigen will. Wenn man sie von daher versteht, hat die Idee des extremen Kreationismus tatsächlich keine Existenzberechtigung mehr, weil man mit ihr weiter zurückfällt, als die frühgeschichtlichen Autoren der Schöfpungserzählung geistig fortgeschritten waren, wenn nämlich sie selbst erkannt haben, dass diese Geschichte ein Bild für etwas Höheres ist, man aber heute versucht ist, sie wörtlich zu nehmen!
Legen wir den Streit beiseite und seien wir Gott dankbar, dass er uns die Möglichkeit gibt, die von ihm geschaffene Welt naturwissenschaftlich zu erklären, denn gerade darin äußert sich sein Wesen am stärksten. Gott bringt Ordnung und Sinn ins Leben, ohne ihn wäre Naturwissenschaft nicht möglich.
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Freitag, 9. Januar 2009
Krisenherd Naher Osten
Gerade dieser Tage rückt der Nahe Osten wieder verstärkt ins Licht der Öffentlichkeit, vor allem wegen des Krieges zwischen Israel und der radikal-palästinenischen Hamas, wobei dieser Konflikt nur ein kleiner Teil in der großen Krisenregion Naher Osten ist. Seit Jahren hört man so viel Nachrichten aus dieser Gegend, dass man schnell die Übersicht und - bei stündlich neu eintreffenden Berichten - auch den Anschluss verliert.
Es ist - das kann niemand leugnen - für die Beilegung der Krisen äußerst wichtig, zu verstehen, was die Hintergründe derselben sind. Diese auszuführen kann nicht meine Aufgabe sein, vielmehr will ich nur stichwortartig die Hauptursachen benennen: Sie liegen im Spannungsverhältnis der islamischen Religion mit der jüdischen, bzw. im weiteren Sinne auch mit der christlichen, den verschiedenen Besonderheiten des Staates Israel, sowie den Interessen der USA und Europas an den Erdöl- und Erdgasquellen dieser Länder. Besonders der letzte Punkt hört sich harmlos an, ist jedoch von enormer Wichtigkeit - und das müssen wir uns erstmal eingestehen! Wir sind nämlich schnell dabei, diese oder jene Organisation, dieses oder jene Land, diese oder jene Religion zu verurteilen - doch wer gibt die eigene Schuld zu? Den weitaus größten Anteil ihres Öls und Gases beziehen die USA und Europa aus dem Nahen Osten und sind so in einer starken Abhängigkeit von ihm - solange dort nicht der letzte Tropfen Öl verschwunden oder hier großflächig auf andere Arten der Energiegewinnung umgestiegen ist. Und nur wegen dieser Abhängigkeit ist im Nahen Osten die größte militärische und mediale Präsenz anderer Länder auf der ganzen Welt vertreteten.
Wie viele andere Krisenherde gibt es sonst noch auf der Welt! Und aus all diesen Gebieten erfährt man vielleicht zweimal jährlich Berichterstattung in den Medien! Da wird schnell klar, dass es sich bei unserer Hilfe nicht um die Interessen der betroffenen Länder ,sondern um unsere eigenen dreht.
Natürlich muss man sagen: Es ist nicht schlimm, sich mit eigenem Interesse für die Stabilität internationaler Handelsverträge und Wirtschaftstransaktionen einzusetzen und sicherlich liegt auch bei den Krisenländern im Nahen Osten selbst eine mehr oder minder große Schuld an der Krise. Vielleicht kann man sogar sagen, dass eine Krise d0rt sowieso schon vorhanden war und durch unser Verlangen nach Energie und den daraus folgenden Konsequenzen nur noch verstärkt wurde.
Aber vor allem muss eins feststehen: Wir dürfen uns nicht mit der Forderung nach Frieden ausschließlich an den Nahen Osten wenden. Soweit geschieht das ja sogar noch, denn tatsächlich gibt es regelmäßig auch Forderungen nach dem weltweiten Frieden. Doch Bemühungen, diese Forderung konkret umzusetzen, werden leider nur im Nahen Osten in dieser Stärke betrieben, und das ist der große Fehler. Krieg ist Krieg und wir sollten uns überall gleich engagiert für den Frieden einsetzen. Denn wenn auch an anderen Orten Frieden herrscht, kann sich auch dort eine stabile Wirtschaft und Politik entwickeln, was letztlich auch zu unserem Vorteil werden würde. Doch vor allem brauchen wir Frieden nicht der Wirtschaft sondern der Menschen wegen und dafür müssen wir uns an jedem Ort der Welt einsetzen.
Es ist - das kann niemand leugnen - für die Beilegung der Krisen äußerst wichtig, zu verstehen, was die Hintergründe derselben sind. Diese auszuführen kann nicht meine Aufgabe sein, vielmehr will ich nur stichwortartig die Hauptursachen benennen: Sie liegen im Spannungsverhältnis der islamischen Religion mit der jüdischen, bzw. im weiteren Sinne auch mit der christlichen, den verschiedenen Besonderheiten des Staates Israel, sowie den Interessen der USA und Europas an den Erdöl- und Erdgasquellen dieser Länder. Besonders der letzte Punkt hört sich harmlos an, ist jedoch von enormer Wichtigkeit - und das müssen wir uns erstmal eingestehen! Wir sind nämlich schnell dabei, diese oder jene Organisation, dieses oder jene Land, diese oder jene Religion zu verurteilen - doch wer gibt die eigene Schuld zu? Den weitaus größten Anteil ihres Öls und Gases beziehen die USA und Europa aus dem Nahen Osten und sind so in einer starken Abhängigkeit von ihm - solange dort nicht der letzte Tropfen Öl verschwunden oder hier großflächig auf andere Arten der Energiegewinnung umgestiegen ist. Und nur wegen dieser Abhängigkeit ist im Nahen Osten die größte militärische und mediale Präsenz anderer Länder auf der ganzen Welt vertreteten.
Wie viele andere Krisenherde gibt es sonst noch auf der Welt! Und aus all diesen Gebieten erfährt man vielleicht zweimal jährlich Berichterstattung in den Medien! Da wird schnell klar, dass es sich bei unserer Hilfe nicht um die Interessen der betroffenen Länder ,sondern um unsere eigenen dreht.
Natürlich muss man sagen: Es ist nicht schlimm, sich mit eigenem Interesse für die Stabilität internationaler Handelsverträge und Wirtschaftstransaktionen einzusetzen und sicherlich liegt auch bei den Krisenländern im Nahen Osten selbst eine mehr oder minder große Schuld an der Krise. Vielleicht kann man sogar sagen, dass eine Krise d0rt sowieso schon vorhanden war und durch unser Verlangen nach Energie und den daraus folgenden Konsequenzen nur noch verstärkt wurde.
Aber vor allem muss eins feststehen: Wir dürfen uns nicht mit der Forderung nach Frieden ausschließlich an den Nahen Osten wenden. Soweit geschieht das ja sogar noch, denn tatsächlich gibt es regelmäßig auch Forderungen nach dem weltweiten Frieden. Doch Bemühungen, diese Forderung konkret umzusetzen, werden leider nur im Nahen Osten in dieser Stärke betrieben, und das ist der große Fehler. Krieg ist Krieg und wir sollten uns überall gleich engagiert für den Frieden einsetzen. Denn wenn auch an anderen Orten Frieden herrscht, kann sich auch dort eine stabile Wirtschaft und Politik entwickeln, was letztlich auch zu unserem Vorteil werden würde. Doch vor allem brauchen wir Frieden nicht der Wirtschaft sondern der Menschen wegen und dafür müssen wir uns an jedem Ort der Welt einsetzen.
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